Quallenarten und ihr Vorkommen in der Ostsee
An der deutschen Ostseeküste begegnet man vor allem zwei Arten:
- Ohrenqualle (Aurelia aurita): Häufig in großen Gruppen anzutreffen, mit flachem, glasklarem Schirm und kaum spürbaren Nesseln. Für Menschen gilt sie als harmlos.
- Gelbe Haarqualle, auch Feuerqualle (Cyanea capillata): Deutlich größer (man sagt, sie sei größte Qualle der Welt), mit bis zu 30 Meter langen Tentakeln, deren Nesselgift schmerzhafte Hautreaktionen auslösen kann – meist jedoch von kurzer Dauer und medizinisch unproblematisch.
Im Sommer 2025 sind bislang keine Massenansammlungen wie im Vorjahr aufgetreten. Dennoch nimmt die Quallenpopulation mit steigender Wassertemperatur zu. Windrichtung und -stärke spielen dabei eine entscheidende Rolle: Bei auflandigem Wind können die Tiere in regelrechten „Bändern“ an bestimmte Küstenabschnitte getrieben werden.
Warum sammeln sich Quallen an bestimmten Küsten?
Quallen sind keine aktiven Schwimmer – sie lassen sich von Strömungen, Wind und dem Nahrungsangebot treiben. Mehrere Faktoren beeinflussen, wann und wo sie vermehrt auftreten:
- Klimawandel: Die Ostsee hat sich in den letzten Jahrzehnten um etwa 1,6 °C erwärmt. Das verlängert die Wachstumszeit vieler Quallenarten.
- Überfischung: Weniger Fressfeinde wie Makrelen oder Heringe bedeuten mehr Überlebenschancen für Quallen.
- Nährstoffeintrag: Landwirtschaft und Abwässer reichern das Wasser mit Nährstoffen an, fördern Plankton – und damit die Hauptnahrung der Quallen.
- Wind und Strömung: Offene Buchten mit Ost- oder Südostausrichtung sind besonders betroffen, darunter Kieler Bucht, Lübecker Bucht, Neustädter Bucht, Hohwachter Bucht sowie Abschnitte in Mecklenburg-Vorpommern wie Warnemünde oder Binz.
Risiken und Schutz für Badegäste
Die meisten Quallen in der Ostsee sind ungefährlich. Unangenehm kann es jedoch bei Kontakt mit Feuerquallen oder der Blauen Nesselqualle werden – deren Nesseln führen zu brennenden Hautreizungen. Im Sommer 2024 mussten in einigen Regionen mehrere Dutzend Betroffene medizinisch versorgt werden, schwere Verläufe blieben jedoch eine Ausnahme. Bis jetzt ist allerdings, wie in manchen Portalen zu lesen, von einer Quallenplage nichts zu sehen.
Neu in diesem Jahr: die invasive Klammerqualle (Gonionemus vertens). Sie stammt aus dem westlichen Pazifik und ist vermutlich über Schiffe eingeschleppt worden. Vereinzelt wurde sie bereits im Öresund und in der Geltinger Bucht gesichtet. Ihr Gift kann ernsthafte gesundheitliche Reaktionen auslösen. Besonders in flachen Seegrasbereichen ist daher Vorsicht geboten.
Was tun bei Quallenkontakt?
- Nicht reiben, sondern mit Meerwasser abspülen.
- Tentakel vorsichtig mit Pinzette oder einer Plastikkarte entfernen.
- Schmerz mit Kühlpacks oder Aloe-Gel lindern.
- Bei starken Symptomen oder allergischen Reaktionen sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
Medienberichte zwischen Warnung und Sensationslust
Im Internet kursieren derzeit zahlreiche Artikel und Social-Media-Beiträge, die mit Schlagzeilen wie „Quallenplage!“ oder „Gefahr im Ostseewasser!“ Aufmerksamkeit erregen wollen. Oft wird dabei nicht klar zwischen vereinzelten lokalen Ansammlungen und einer großflächigen Gefahr unterschieden.
Diese reißerische Darstellung kann leicht den Eindruck erwecken, die gesamte Ostsee sei für Badegäste problematisch – was den tatsächlichen Gegebenheiten in den allermeisten Fällen nicht entspricht. Fachleute raten daher, sich auf verlässliche Quellen wie lokale Tourismusverbände, Wetterdienste oder Rettungsschwimmer vor Ort zu stützen, um ein realistisches Bild der Lage zu bekommen.
Einfluss auf Urlaub und Tourismus
Quallenansammlungen sind für manche Badegäste lästig, führen aber nur selten zu großflächigen Badeverboten. Lokale Warnschilder und Rettungsschwimmer informieren über die aktuelle Situation und raten bei Bedarf zu alternativen Stränden oder Freizeitangeboten.
Bislang lassen sich keine deutlichen wirtschaftlichen Einbußen nachweisen – die Quallenvorkommen sind meist zeitlich sowie lokal begrenzt. Für Urlauber empfiehlt es sich, eine Unterkunft in der Nähe mehrerer Strände zu wählen, um flexibel auf die Bedingungen reagieren zu können.

